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Bibliolog erleben

Wenn Sie einen Bibliolog erleben möchten - dann setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung.

Bibliolog kann in Gruppen ab 10 Personen durchgeführt werden, vom Grundschul- bis zum Seniorenalter.

Ein Bibliolog dauert mindestens 20 Minuten und kann für sich stehen, aber auch mit den vielfältigen Methoden der Religionspädagogik kombiniert werden. Als Zeitrahmen sollten 90 Minuten zur Verfügung stehen.

Für eine Terminabsprache setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung:

Kontakt: bodo.koesterdontospamme@gowaway.elk-wue.de oder 0751/18086912

 

Was ist  "Bibliolog"?

Bibliolog ist – eine inszenierte Auslegung eines biblischen Textes in Gottesdienst, Erwachsenenbildung, Religionsunterricht, KonfirmandInnenarbeit, Schule oder Gruppe, in der die Teilnehmenden über eine ansprechende  Moderation den einzelnen Schattierungen der biblischen Figuren eine Stimme geben.

"Das die Bibel und unser Leben viel miteinander zu tun haben und sich oft genug gegenseitig auslegen, ist nicht nur eine christliche Grundüberzeugung, sondern wird auch von vielen Christinnen und Christen immer wieder erlebt. Die Chancen, die Bibel als lebendig und bedeutungsvoll für das Leben zu erfahren, steigen jedoch noch einmal deutlich, wenn man diesem Ereignis Wege bahnt und Formen dafür findet. Ein solcher Weg ist der "Bibliolog", der für die kurze Zeit, den es ihn in Deutschland gibt, schon erstaunlich viele Menschen begeistert. Entwickelt - oder entdeckt - wurde er von Peter Pitzele, einem nordamerikanischen Juden." (Dr. Uta Pohl-Patalong in Andrea Schwarz: Propheten sind wir alle, Herder, Freiburg 2006)

Peter Pitzele sagt, das der Bibliolog eine moderne Form  des Midrasch ist. Was ist der Midrasch? "Das Wort "Midrasch" kommt vom hebräischen "darasch" und heißt wörtlich so viel wie "suchen", "fragen". Gemeint ist also die Tätigkeit des suchenden Forschens im Hinblick auf die Heilige Schrift, aber auch das Ergebnis dieses Forschens: also Schriftwerke, die Bibelauslegung enthalten. Entstanden ist der Midrasch in Palästina, in Babylonien kommt er fast nicht vor. Sein "Sitz im Leben" war wohl der Brauch, über einen Toraabschnitt ("Parascha") oder ein Profetenwort ("Haftara") zu predigen. Solche Predigten nennt man dann "Deraschot", das Haus, wo man sie hält "Bet-ha-Midrasch"."   (www.christen-und-juden.de/html/midrasch.htm)

im Bibliolog erforscht also eine Gruppe von Menschen gemeinsam einen biblischen Text - das schwarze Feuer, indem die "Zwischenräume" des Textes - das weiße Feuer -  mit Leben gefüllt werden und die Gruppenteilnehmer so  zu Exegeten des Textes werden. "Diese Zwischenräume, also genau das, was nicht explizit gesagt wird, aber implizit im Text enthalten ist, nannten die alten Rabbiner das "weiße Feuer". Das weiße Feuer lodert zwischen dem "schwarzen Feuer" der Buchstaben, also dem Wortlaut des Textes. Dieses Bild greift Peter Pitzele für den Bibliolog auf und stellt sich damit in die Tradition des rabbinischen Midrasch." (Dr. Uta Pohl-Patalong, Bibliolog, Gemeinsam die Bibel entdecken, Kohlhammer, 2005, S.25)

Die einzelnen Schritte im Bibliolog

Prolog: Kurze Einführung in die Methode.

Hinführung: Die Bibliologin, der Bibliologe führt in eine biblische Geschichte ein. Die "Gruppe" wird informiert über Details, die für das Verständnis der Geschichte notwendig sind. Hier ist es wichtig, nicht ausschweifend  zu werden.

1. Rolle: Die Bibliologin, der Bibliologe liest aus der Bibel und hält die Geschichte an einer definierten Stelle an und bittet die Teilnehmenden in eine Rolle zu schlüpfen und in dieser Rolle auf eine bestimmte Frage zu antworten.

Rollenbeispiele:

1. Beispiel aus einem Bibliolog zu Mk 5,21-43 - Die Auferweckung der Tochter des Jairus: (gehalten im Rahmen einer RPA zum Thema: Kreative Methoden im Umgang mit biblischen Texten.)

3. Rolle - Klagefrau

"Ihr seid, du bist eine Klagefrau. Schon unzählige Male hast du bei den Toten gewacht. Nach dir ist geschickt worden, du bist gekommen, um zu klagen, das Leichenlied zu singen. Ihr habt euch vor dem Raum, in dem das Mädchen liegt nieder gelassen.

Du hörst Jesus, wie er zu dir sagt: Was soll der Lärm, ... Was ist deine erste Reaktion?"

2. Beispiel aus einem Bibliolog zu Rut 1,14-19:(gehalten in einer fünften Klasse im Rahmen einer Unterrichtseinheit.)

4. Rolle - Rut

"Ihr seid, du bist Rut. Eine Frau aus Moab, eine Ausländerin, die Schwiegertochter von Noomi. Du hörst die Frauen sprechen. Sie sind erregt.

Mit welchen Gefühlen stehst du da? Was denkst du?"

Die einzelnen Äußerungen werden von der Leitung, mit deren Worten wiederholt. Manchmal stellt die Leitung Rückfragen. Im Bibliolog steht  die Technik des "echoing" im Zentrum.  Was ist gemeint? Die Bibliologin, der Bibliologe "nimmt jede sprachliche Äußerung eines Teilnehmers sprachlich auf und gibt sie mit eigenen Worten wieder. ... Besonderer Wert wird auf den emotionalen Gehalt der Äußerung, auf die Gefühle, die in ihr enthalten sind, gelegt." (Dr. Uta Pohl-Patalong, Bibliolog,  S.52) Das Interviewing ist für einen Bibliolog hilfreich, aber nicht zentral wichtig. Die Bibliologin, der Bibliologe wird sich immer vergewissern, dass sie/er alles richtig verstanden hat. Nacheinander führt die Leitung im Ablauf der Geschichte verschiedene Rollen ein. Für die Leitung ist es wichtig die Rollen an genau definierten Stellen einzuführen. Ich fertige für die Geschichten immer kleine "story boards" an. Das erleichtert mir die "Rollenfindung".

Am Ende des Bibliologs steht das "Deroling" - das herauskommen aus den Rollen, der biblischen Geschichte. Danach wird der biblische Text der Geschichte  noch einmal als Ganzes gelesen.

Wichtig und unbedingt zu beachten ist, dass nach dem Bibliolog jetzt nicht eine Einweisung in das richtige Verständnis des Textes gegeben wird. Die Auslegungshoheit hat im Bibliolog jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin. Für die Weiterarbeit gibt es vielfältige Möglichkeiten im religionspädagogischen Spektrum. Die Relevanz eines biblischen Textes  für das eigene Leben kann/wird durch den Bibliolog erfahren.

Bodo Köster